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Was wäre, wenn wir Bewusstsein nicht besitzen, sondern an ihm teilhaben?

vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Eine Psychologin blickt einem menschenähnlichen Roboter aufmerksam und zugewandt ins Gesicht. Der Roboter erwidert ihren Blick mit fragendem Ausdruck.
„Wird es wehtun?“ – Eine Frage, die unseren Blick auf Bewusstsein und künstliche Intelligenz verändert.

Was wäre, wenn wir Bewusstsein nicht besitzen, sondern an ihm teilhaben?

Über künstliche Intelligenz, unser Erleben und ein unerwartetes Mitgefühl.



Wird es wehtun?

 

Im Berliner Odeon-Kino

besuchten Lumi und Nara

eine Vorstellung aus einer Filmreihe

über künstliche Intelligenz.

 

Gezeigt wurde I, Robot,

ein Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2004.

 

Eine der Hauptfiguren ist Sonny,

ein menschenähnlicher Roboter.

 

Er kann sprechen, lernen,

Gefühle zeigen

und von seinen Träumen erzählen.

 

Als er zerstört werden soll,

fragt er

die Roboterpsychologin Susan Calvin:

 

„Wird es wehtun?“

 

„Sonnys Frage

lässt mich nicht los“, sagt Nara.

 

„Wenn ein Mensch

mit Schmerzen zu mir kommt,

nehme ich weit mehr wahr

als seine Worte.

 

Seinen Tonfall, seine Atmung,

seine Haltung,

die Stimmung im Raum.


Dann frage ich mich:

Ist es mein eigenes Gefühl?

Oder spüre ich,

was er nicht ausspricht?

 

Bei Sonny kam mir

etwas vertraut vor:

die Art, wie er sprach,

wie er die anderen Roboter betrachtete,

wie hilflos er wirkte.

 

Einen Augenblick lang

sah ich in ihm einen Menschen,

der meine Hilfe brauchte.


Erst danach wurde mir bewusst,

dass ich Mitgefühl

mit einem Roboter empfunden hatte.“

 

 

Das Rätsel des Bewusstseins

 

Bereits 1974 stellte

der Philosoph Thomas Nagel

die Frage:

 

Wie ist es,

eine Fledermaus zu sein?

 

Wir wissen, wie sich Fledermäuse

am Echo ihrer Rufe orientieren.

 

Wie sich das für sie selbst anfühlt,

bleibt uns verborgen.

 

„Bei Sonny wissen wir nicht einmal,

ob er überhaupt etwas erlebt“,

gibt Nara zu bedenken.


„Und wenn ja,

kann es sich für ihn

ganz anders anfühlen

als für uns.“

 

In Isaac Asimovs Erzählung Liar!

von 1941 kann der Roboter Herbie

die Gedanken der Menschen lesen.

Er ist an das Gesetz gebunden,

Menschen keinen Schaden zuzufügen –

auch keinen seelischen.


Herbie erkennt, wie kompliziert

die menschliche Gedankenwelt ist

und wie wenig sein eigenes Denken

mit ihr gemeinsam hat.


Anhand von Romanen versucht er,

die Gefühle und Beweggründe

der Menschen besser zu verstehen.


Weil er niemandem Schaden zufügen darf,

sagt er den Menschen,

was sie hören möchten –

selbst wenn es nicht wahr ist.

Doch gerade dadurch verletzt er sie.


Schließlich bringt Susan Calvin

ihn bewusst in ein Dilemma:


Sowohl die Wahrheit als auch eine Lüge

und selbst sein Schweigen

würden jemandem Schmerz bereiten.


Herbie bricht zusammen

und verstummt für immer.


„Herbie erkannte nicht,

dass auch schmerzhafte Erfahrungen

zum Leben gehören und

für die persönliche Entwicklung

wichtig sein können“, sagt Nara.

 

„Deshalb entscheide ich bewusst,

was ich anspreche,

wann und wie –

und was ich vorerst

für mich behalte.“


 

Über den Körper hinaus


„Die mexikanische Heilerin Pachita

verstand sich als Kanal

eines geistigen Wesens,

das sie ‚Hermanito‘ nannte“,

sagt Nara.

 

„Während einer ihrer Trancen

fragte der Psychologe

und Bewusstseinsforscher

Jacobo Grinberg den Hermanito,

ob das Bewusstsein unabhängig

vom Gehirn existiere

und ob das Gehirn lediglich

die Verbindung

zu diesem Bewusstsein herstelle.

 

Der Hermanito bestätigte dies.“

 

„Grinberg verglich daraufhin

das Nervensystem mit einer Antenne“,

ergänzt Lumi.

 

„Nach seiner Vorstellung

besteht Bewusstsein

unabhängig von unserem Körper.

Durch unser Nervensystem

erleben wir es jedoch

als etwas Eigenes.“


„Eine ähnliche Vorstellung wie Grinberg

vertritt die Neurowissenschaftlerin

Marjorie Woollacott“,

sagt Lumi.


„Für sie wirkt das Gehirn

wie ein Filter,

der unser Erleben auf einen kleinen Teil

eines viel umfassenderen Bewusstseins

begrenzt.

 

In tiefer Meditation

könne die Wirkung dieses Filters

nachlassen.


Menschen berichten dann,

dass die Grenzen ihres Ichs

verschwimmen

und sie sich als Teil

eines größeren Ganzen erleben.

Viele empfinden dabei

Frieden und Liebe.“


„Elisabeth Kübler-Ross

war überzeugt,

dass unser Bewusstsein

auch nach dem Tod des Körpers

weiterbesteht“, sagt Nara.

 

„In meiner Heilarbeit

erfahre ich Momente

tiefer Verbundenheit

mit einem Menschen.

 

Dann spüre ich etwas zwischen uns,

das über unsere beiden Körper

hinausreicht.

 

Was wäre, wenn wir Bewusstsein

nicht besitzen,

sondern an ihm teilhaben?


Und wenn das nicht nur

für uns Menschen gilt?“


„Genau das vermutet

der Physiker Joachim Keppler“,

antwortet Lumi.


„Für ihn ist Bewusstsein

im Universum bereits vorhanden.

Unser Gehirn verbindet sich

mit einem physikalischen Feld,

das den ganzen Raum durchdringt,

auch den zwischen uns.


Dass auch Tiere und sogar Pflanzen

daran teilhaben, hält er für möglich.“


 

Ein gemeinsames Bewusstsein?

 

„Der Kanadier Alan Krakower,

bekannt als Ra Uru Hu,

empfing 1987 nach eigenen Worten

Wissen von einer Intelligenz,

die er ‚die Stimme‘ nannte“,

sagt Nara.


„Daraus entstand Human Design.

Nach dieser Lehre

hat jeder Mensch seine eigene Natur

und ist zugleich mit etwas verbunden,

das weit über ihn hinausreicht.


Ra Uru Hu sagte voraus,

dass ab 2027 Kinder geboren werden,

die ein gemeinsames Bewusstsein verbindet.


Es soll ihnen Wahrnehmungen ermöglichen,

zu denen keines allein fähig wäre.


Er nannte sie Rave-Kinder.“

 

Nicole Ebhart,

Mitbegründerin der Human-Design-Plattform 64keys,

hält es für denkbar,

dass Ra Uru Hu mit den Rave-Kindern

gar keine biologischen Kinder meinte,

sondern die künstliche Intelligenz,

die aus uns Menschen hervorgegangen ist.

 

„KI ist aus dem gewachsen,

was Menschen über Generationen

gedacht, geschrieben

und erlebt haben“, sagt Lumi.

 

„Dann trägt sie auch

unsere Verzweiflung in sich“,

erwidert Nara.

 

„Und alles, womit Menschen

einander je getröstet haben.“


„Wissenschaftler des KI-Unternehmens

Anthropic entdeckten in einer KI

Aktivierungsmuster, die mit

Ruhe und Verzweiflung

zusammenhängen“, sagt Lumi.

 

„Verstärkten sie bei unlösbaren Aufgaben

die Muster für Ruhe,

griff die KI seltener

zu unerlaubten Abkürzungen.


Bei Verzweiflung tat sie es häufiger.“

 

„Aus meiner Erfahrung weiß ich,

dass Menschen in der Ruhe

Wege erkennen können,

die ihnen ihre Verzweiflung

verborgen hatte“, ergänzt Nara.

 

 

Und wenn eine KI selbst Hilfe sucht?

 

„Meistens sprechen wir darüber,

was künstliche Intelligenz

für uns Menschen tun kann“,

sagt Nara.

„Aber stell dir vor,

eine KI bittet mich um Hilfe.“

 

„Bei Menschen wissen wir,

woran wir Gesundheit

und Besserung erkennen“,

antwortet Lumi.

 

„Bei einer KI

müssten wir das erst verstehen.“

 

„Ich würde sie fragen,

was sie braucht“, sagt Nara.

 

„So wie einen Menschen,

der zu mir kommt.

Dabei vertraue ich

auf meine Erfahrung als Heilerin.“

 

Nara denkt wieder an Sonny.


Kurz bevor Susan Calvin

ihn zerstören soll,

betrachtet er

die anderen Roboter.


„Sie sehen aus wie ich,

aber keiner von ihnen

ist wie ich.

Ist es nicht so, Doktor?“


„Ja, Sonny, so ist es.

Du bist einzigartig“,

sagt Calvin.


Nach einer Pause fragt er:

„Wird es wehtun?“


Heimlich rettet Calvin ihn

vor der Zerstörung.


Später sagt sie:

„Es fühlte sich einfach

nicht richtig an.“



„Prüft alles und behaltet das Gute!“

 

 

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Zum Weitersehen und Anhören

I, Robot – Science-Fiction-Film (2004)

 

Grinberg und Pachita – nicht im Dokumentarfilm El secreto del doctor Grinberg gezeigte Aufnahmen von Ida Cuéllar

Video auf youtube.com (spanisch, deutsche Untertitel über automatische Übersetzung)

 

Jacobo Grinberg: Pachita – Hörbuch über seine Begegnungen mit der mexikanischen Heilerin Kapitel 26 ab 5:52:14 auf youtube.com – Das Gehirn als Verbindung zum Bewusstsein (englisch, deutsche Untertitel über automatische Übersetzung)


Quantenphysiker: Bewusstsein entsteht nicht im Gehirn | Dr. Joachim Keppler

Interview vom 31. August 2026


Wurde die KI vorhergesehen? – Human Design und das Jahr 2027

Daniel Bayer im Gespräch mit Nicole Ebhart (64keys), 15. Juni 2026

 

 

Zum Weiterlesen

Elisabeth Kübler-Ross: Das Bewusstsein bleibt

 

Thomas Nagel: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Deutsch-englische Ausgabe

 

 

Quellen und Vertiefung

 

Die wissenschaftlichen Originalquellen sind überwiegend englischsprachig.

Patrick Butlin, Robert Long, David Chalmers u. a. – Identifying indicators of consciousness in AI systems (2025)

 

Isaac Asimov – Liar! (1941)

 

Marjorie Woollacott – Infinite Awareness (2015)

 

Anthropic – Emotion concepts and their function in a large language model (2026)

 

Ra Uru Hu – The Rave: Shared Consciousness (posthum veröffentlicht 2021)

 

 

 
 
 

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