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Elisabeth Kübler-Ross: Das Bewusstsein bleibt

3. Okt.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Okt.

Für Elisabeth Kübler-Ross wurde der Schmetterling zum Bild dafür, dass der Tod eine Verwandlung ist und das Bewusstsein weiterbesteht.

Elisabeth Kübler-Ross:

Das Bewusstsein bleibt

Wie sie zu dieser Überzeugung kam –

und was sie am Ende

selbst noch zu lernen hatte


Am 8. Juli 2026,

dem 100. Geburtstag

von Elisabeth Kübler-Ross,

wurde in Zürich

der Dokumentarfilm

Dem Tod ins Gesicht sehen

von Stefan Haupt

noch einmal im Kino gezeigt.


Lumi und Nara

sahen den Film zusammen.


Als sie anschließend

durch die Stadt gingen,

sagte Nara:


„Sie hat so viele Menschen

beim Sterben begleitet

und war am Ende überzeugt:


Der Körper stirbt.

Das Bewusstsein bleibt.“


Lumi dachte an

die letzten Lebensjahre

von Kübler-Ross.


„Und trotzdem musste sie

ihr eigenes Sterben

erst erfahren.“


Genau darin lag für beide

die Frage,

die sie nicht losließ:


Wie kam Elisabeth Kübler-Ross

zu dieser Gewissheit –

und wie erging es ihr selbst,

als es so weit war?



Wer bin ich?

Elisabeth Kübler wurde 1926

in Zürich als Erste von Drillingen

geboren.


Mit Erika und Eva

trug sie gleiche Kleider,

teilte ihr Zimmer

und wurde selten

als eigene Person gesehen.


Eine Kindergärtnerin blieb ihr

besonders in Erinnerung,

weil sie genau wusste,

welches der drei Mädchen

Elisabeth war.


Rückblickend fragte Kübler-Ross,

wie die Erfahrung,

nicht als Individuum wahrgenommen zu werden,

die eigene Identität beeinflusst.


Das Leben als Drilling,

schrieb sie später,

wurde zum Ausgangspunkt

ihrer Suche nach Authentizität.


Nara sagte:


„Drei Kinder können sich äußerlich

fast gleichen

und vieles miteinander teilen.


Und trotzdem ist jedes

ein eigener Mensch.“


Lumi sagte:

„Diese Kindergärtnerin

hat das gesehen.“



Der Schmetterling

Nach dem Zweiten Weltkrieg

arbeitete Kübler-Ross

bei Hilfseinsätzen in Europa.


Im ehemaligen Konzentrationslager Majdanek

sah sie Schmetterlinge,

die Gefangene in Wände geritzt hatten.


Dieses Bild prägte

ihr Verständnis des Todes.


Jahrzehnte später

verwendete sie den Schmetterling,

wenn sie mit sterbenden Kindern

über den Tod sprach.


Für Kübler-Ross war der Körper

wie der Kokon,

den der Schmetterling zurücklässt.


Den Tod verstand sie

als Übergang in einen

höheren Bewusstseinszustand,

in dem Wahrnehmen, Verstehen,

Lachen und Entwicklung

weiter möglich seien.


„Dann verbindet der Schmetterling für sie

zwei Dinge“, sagte Nara.


„Verwandlung und Kontinuität.


Die Gestalt verändert sich.

Das Wesentliche bleibt.“


Lumi erinnerte sich

an einen Satz

des Apostels Paulus:




Die Sterbenden als Lehrer

In den 1960er-Jahren

begann Kübler-Ross in Chicago,

regelmäßig mit sterbenden Menschen

über ihr Erleben zu sprechen.


Aus diesen Gesprächen entstand

1969 ihr Buch

On Death and Dying.


Kübler-Ross bezeichnete Sterbende

als ihre Lehrer.


Sie hörte ihnen zu

und ließ sie darüber sprechen,

was sie beschäftigte,

was sie fürchteten

und was sie brauchten.


Auch die Frage nach Authentizität

begegnete ihr hier wieder.


Kübler-Ross schrieb später,

in der Arbeit mit Sterbenden

entwickle sich ein feines Gespür dafür,

wie authentisch

ein Mensch sich zeigt.


Nara sagte:


„Wenn Rollen und Erwartungen

zurücktreten,

wird Offenheit möglich –


auch für Gedanken und Gefühle,

die im Leben

unausgesprochen geblieben sind.“


Lumi ergänzte:


„Die Palliativforschung

vom sense of self.


In Gesprächen am Lebensende

ordnen Menschen Werte, Prioritäten

und ihr Selbstverständnis neu –


hin zu größerer Authentizität.“



„Der Tod existiert nicht“

Kübler-Ross hörte

über Jahrzehnte Menschen zu,

die im Sterben lagen

oder eine Nahtoderfahrung erlebt hatten.


Sie berichteten

von einem Erleben

außerhalb des Körpers,

von Licht und von Begegnungen

mit bereits verstorbenen Menschen.


Für Kübler-Ross

verdichteten sich diese Erfahrungen

zur Gewissheit.


Sie formulierte

ihre Überzeugung so:


„Ich glaube, es ist jetzt Zeit,

dass die Leute wissen,

dass der Tod gar nicht existiert,

wenigstens nicht so,

wie wir uns das vorstellen.“


Nara dachte an das Gleichnis

vom reichen Mann

und dem armen Lazarus.




Raum und Zeit

Kübler-Ross sagte:


„Sobald man außerhalb

seines physischen Körpers ist,

existieren Zeit und Raum nicht.“


Für sie hatte das

eine konkrete Bedeutung.


Entfernung spielte

in diesem Zustand

keine Rolle mehr.


Man könne an einen

geliebten Menschen denken

und im selben Augenblick

bei ihm sein.


Auch Begegnungen

mit bereits Verstorbenen

gehörten für sie

zu diesem Erleben.



Was sich heute untersuchen lässt

Lumi sagte:


„Bei Menschen mit schwerer Demenz

beobachtet man am Lebensende manchmal

etwas Erstaunliches.


Sie erkennen Angehörige,

sprechen zusammenhängend

oder treten noch einmal

deutlich in Kontakt.


Für solche Momente

kurz vor dem Tod

verwendet die Forschung den Begriff


Nara sagte:


„Dann spreche ich

bis zuletzt mit einem Menschen

so vertraut wie zuvor –

auch wenn er

nicht mehr antwortet.“


Lumi dachte an Kübler-Ross.


„Sie konnte sich auf das stützen,

was Sterbende ihr erzählten

und was sie bei ihnen beobachtete.


Heute lässt sich messen,

was im Gehirn

während des Sterbens

und einer Wiederbelebung geschieht.“


Ein Teil der Menschen,

die nach einem Herzstillstand

wiederbelebt wurden,

berichtete später von Wahrnehmungen

und Erinnerungen.


untersuchte solche Erfahrungen.


Das Forschungsteam zeichnete

während der Wiederbelebung

Hirnaktivität auf,

die mit Bewusstseinsprozessen

vereinbar war.


Eine weitere Untersuchung

zeigte bei einzelnen Sterbenden

eine deutliche Zunahme

dieser elektrischen Aktivitätsmuster.


Gamma-Rhythmen werden mit Wahrnehmung,

Aufmerksamkeit und Erinnerung

in Verbindung gebracht.


Gleichzeitig zeigte sich

eine stärkere Abstimmung

zwischen mehreren Hirnregionen –

darunter Bereiche,

die für bewusste Wahrnehmung

eine wichtige Rolle spielen.


Ob das Bewusstsein

den Tod überdauert,

können diese Messungen

nicht beantworten.


Für Kübler-Ross

war das längst

keine offene Frage mehr.



Als sie selbst sterben wollte

1995 erlitt Kübler-Ross

einen schweren Schlaganfall.


Weitere Schlaganfälle folgten.


Sie war teilweise gelähmt,

hatte Schmerzen

und brauchte Unterstützung.


Sie sprach offen darüber,

dass sie sterben wollte.


Im Dokumentarfilm sagte sie,

sie müsse das Loslassen

noch lernen

und finde es

„brutal schwierig“.


Nara sagte:


„Sie wollte sterben

und war überzeugt,

dass der Tod

nicht das Ende ist.


Und trotzdem gab es

noch etwas,

das sie festhielt.“


Lumi ergänzte:


„Sie hatte über viele Jahre

Sterbende begleitet

und ihnen zugehört.


bezeichnet die Psychologie

die Beobachtung,

dass Menschen über die Situation anderer

oft klarer und differenzierter nachdenken

als über die eigene.


Beim eigenen Sterben

fiel für Kübler-Ross

die Distanz der Begleiterin weg.“



Joseph

In den Jahren nach ihren Schlaganfällen

nahm Kübler-Ross

verschiedene Formen

der Begleitung an.


1999 schrieb sie

über wöchentliche Sitzungen

mit einem Mann namens Joseph,

den sie ihren Heiler nannte.


Sie führte körperliche Fortschritte

auf diese Sitzungen zurück.


Im Wasser konnte sie wieder

ohne Gehhilfe gehen

und berichtete,

zu dieser Zeit

ohne Schmerzen zu sein.


Gleichzeitig erhielt sie

medizinische und pflegerische Unterstützung.


Nara sagte:


„Für sie konnten

unterschiedliche Formen

der Begleitung

zum selben Weg gehören.“


Lumi ergänzte:


„Auch hier zeigt sich

ihr Lebensthema:


der einzelne Mensch

und sein eigener Weg.“



Liebe empfangen

Kübler-Ross verstand das Leben

als einen Weg des Lernens.


Als letzte Lektion nannte sie,

bedingungslos zu lieben

und geliebt zu werden.


Für sie gehörte dazu auch,

sich selbst zu lieben.


Kübler-Ross habe geglaubt,

erst sterben zu können,

wenn sie alles gelernt habe.


Über die Selbstliebe

sagte sie lächelnd:


„Nicht einfach.“


Sie arbeite daran.


Nach ihren Schlaganfällen

wurde der zweite Teil

ihrer letzten Lektion

sehr konkret.


Kübler-Ross war nun selbst

auf Pflege und Unterstützung angewiesen.


Sie schrieb,

sie müsse lernen,

Liebe und Fürsorge anzunehmen

und sich umsorgen zu lassen.


Die Jahre körperlicher Schwäche

hätten sie Geduld gelehrt.


Je schwächer sie werde

und je mehr Zeit sie im Bett verbringe,

desto mehr lerne sie,

Liebe zu empfangen.



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Zum Weitersehen

Dokumentarfilm auf YouTube


Quellen und Vertiefung

 
 
 

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