Ständig unterbrochen
Aktualisiert: 10. Apr.

Ständig unterbrochen -
Wie fünf Minuten Meditation
helfen können.
Lumi sah auf ihr Handy
und legte es gleich wieder weg.
„Eigentlich wollte ich
nur kurz etwas nachsehen“,
sagte sie.
„Und jetzt habe ich schon wieder
drei neue Gedanken im Kopf,
zwei offene Antworten,
eine Erinnerung an morgen
und das Gefühl,
dass innerlich
gar nichts mehr aufhört.“
Nara nickte.
„Das gehört für viele
schon zum Alltag.
Nicht nur,
dass viel zu tun ist.
Sondern dass man
kaum noch
bei einer Sache bleibt.“
„Genau darüber“,
sagte Lumi,
„habe ich
im Huberman Lab Podcast
ein Gespräch
mit dem Psychologen
und Meditationsforscher
Richard Davidson gehört.
Er beschreibt Meditation
als kurze,
regelmäßig geübte Praxis:
fünf Minuten am Tag,
so, dass sie
im Alltag
einen festen Platz
finden kann.“
Nara lächelte.
„Das passt.
Denn nicht die Menge
der Aufgaben allein erschöpft.
Sondern, dass innerlich
kaum noch etwas
in Ruhe
zu Ende kommen kann.“
Lumi schwieg einen Moment.
„Ja“, sagte sie dann.
„Das ist der eigentliche Punkt.“
Wenn innen
nichts mehr abschließt
Es bleibt eben
nicht bei einer
einzigen Sache.
Da ist eine Nachricht.
Dann ein Gedanke.
Dann eine Bitte.
Dann eine Erinnerung.
Dann wieder etwas,
das schnell noch
erledigt werden soll.
Und währenddessen
geht das übrige Leben weiter.
Beruf.
Haushalt.
Familie.
Organisation.
Erreichbarkeit.
Und oft wächst dabei
der Eindruck,
dass das,
was man selbst
gerade braucht,
immer weniger
berücksichtigt werden kann.
„Viele glauben“,
sagte Lumi,
„dass sie einfach
besser organisiert sein müssten.
Aber oft ist das
gar nicht der Kern.
Aus psychologischer
und körperlicher Sicht
liegt das Problem häufig darin,
dass Aktivierung
und Beruhigung
nicht mehr klar
voneinander getrennt sind.
Jede Unterbrechung
erzwingt einen neuen
Aufmerksamkeitswechsel,
hält die Reizverarbeitung aktiv
und erschwert die Rückkehr
in einen beruhigten Zustand.
Wenn das
über längere Zeit
immer wieder geschieht,
bleibt der Organismus
eher in erhöhter Aktivierung,
und Anspannung
wird schwerer abgebaut.“
„Und genau das“,
sagte Nara,
„spürt man irgendwann.
Nicht immer
als deutliche Überforderung.
Oft eher
als anhaltende Anspannung.
Man ist ansprechbar.
Funktionsfähig.
Präsent.
Und zugleich fällt es schwerer,
wahrzunehmen,
was man selbst
gerade braucht
und was im eigenen Reagieren
bereits in Gang gekommen ist.“
Nicht zuerst Ruhe.
Sondern Wahrnehmung.
„Das Entscheidende
an dieser Form
von Meditation“,
sagte Lumi,
„ist ja gerade,
dass sie nicht voraussetzt,
dass Anspannung
sofort verschwindet.
Sie trainiert zuerst
Aufmerksamkeit
und Selbstbeobachtung.
Psychologisch ist das wichtig,
weil viele Reaktionen
so schnell ablaufen,
dass sie bereits wirksam sind,
bevor man sie
bewusst erfasst.“
Nara nickte.
„Das ist wichtig.
Denn viele denken,
sie seien ungeeignet dafür,
weil in ihnen
zu viel zugleich
in Bewegung ist.
Dabei beginnt es
gar nicht mit Stille.
Sondern damit,
zu bemerken,
was gerade geschieht.“
Lumi hob die Hand,
als würde sie etwas ordnen.
„Ein Gedanke kommt.
Ein Geräusch
verlagert die Aufmerksamkeit.
Der Körper spannt sich an.
Ein innerer Impuls
setzt sofort Bewegung frei.
Und statt
unmittelbar zu reagieren,
wird dieser Vorgang
zunächst einmal
bewusst wahrgenommen.
So entsteht
ein kurzer Abstand
zwischen Reiz
und Reaktion.
In diesem Abstand
werden Einordnung
und Regulation
wieder möglich,
statt, dass Reiz
und Reaktion
unmittelbar
ineinander übergehen.“
„Das klingt
zunächst unscheinbar“,
sagte Nara.
„Und doch
ist es entscheidend“,
antwortete Lumi.
„Solche Momente
entscheiden oft darüber,
ob eine Reaktion
automatisch abläuft
oder bewusst
mitgesteuert werden kann.“
Was ständige Unterbrechung
mit einem Menschen macht
„Wenn in einem
nichts mehr
wirklich zur Ruhe kommen darf“,
sagte Nara,
„dann bleibt auch
die eigene Wahrnehmung
ständig in Bewegung.
Man kommt
nicht richtig an.
Nicht bei einer Aufgabe.
Nicht im eigenen Körper.
Nicht im eigenen Gefühl.“
Lumi nickte.
„Aus psychologischer
und körperlicher Sicht
ist das gut nachvollziehbar.
Stress erschöpft
nicht nur psychisch.
Er verändert auch
körperliche Vorgänge.
Die Atmung wird oft flacher,
die Muskelspannung steigt,
die Aufmerksamkeit verengt sich,
der Schlaf wird störanfälliger,
und die Reizschwelle sinkt.
Jede Unterbrechung
erzwingt einen neuen
Aufmerksamkeitswechsel,
hält die Reizverarbeitung aktiv
und erschwert die Rückkehr
in einen beruhigten Zustand.“
Wenn sich dieser Zustand
über längere Zeit
immer wieder einstellt,
bleibt der Organismus
eher in erhöhter Aktivierung,
und Anspannung
wird schwerer abgebaut.
Neurobiologisch gesprochen
spielt dabei auch
die Amygdala
eine Rolle.
Sie ist eine Gehirnregion,
die mögliche Gefahr
und emotionale Relevanz
rasch bewertet
und Alarmreaktionen
mit anstoßen kann.
Damit solche Reaktionen
eingeordnet
und reguliert werden können,
braucht es Hirnregionen,
die abwägen
und bewusst steuern.
Dazu gehört
der präfrontale Cortex.
Er hilft dabei,
Gefühle zu ordnen,
Impulse zu regulieren
und bei dem zu bleiben,
was gerade tatsächlich
geschieht.
Der Ausdruck
Amygdala Hijack
bezeichnet einen Zustand,
in dem die Alarmreaktion
so stark wird,
dass die präfrontale Steuerung
funktionell eingeschränkt ist.
Dann fallen
Einordnung,
Abwägung
und Impulskontrolle
deutlich schwerer.
Die Alarmreaktion
übernimmt die Führung,
während regulierende Funktionen
nur noch eingeschränkt greifen.
Menschen reagieren
in solchen Momenten
oft mit Angriff,
Rückzug
oder Erstarren,
bevor die Situation
bewusst eingeordnet ist.
Gerade deshalb
können Achtsamkeit
und Meditation helfen,
solche Muster
früher zu bemerken
und den Organismus
wieder in einen Zustand
zu bringen,
in dem Einordnung
und Regulation
möglich werden.“
Nara nickte.
„Dann entsteht
eine kurze Pause.
Ein Moment,
in dem Reiz und Reaktion
nicht sofort
ineinander übergehen.“
„Genau“,
sagte Lumi.
Fünf Minuten,
die zurückholen können
„Und wie fängt man
damit ganz praktisch an?“,
fragte Nara.
Lumi dachte kurz nach.
„Davidson schlägt einen
bewusst einfach gehaltenen Einstieg vor.
Nicht als feste Praxis,
an der man sich
gleich wieder überfordert.
Sondern als überschaubare Übung,
die im Alltag
wirklich Platz findet.“
„Also?“
„Fünf Minuten.
Nicht als großer Anspruch.
Sondern als wenige Minuten Zeit,
in denen man
wieder weniger
auf alles
sofort reagieren muss.“
„Was tut man
in diesen fünf Minuten?“
„Es gibt
zwei Formen
für den Einstieg.
Beim ersten
wählst du
einen festen Bezugspunkt.
Das kann
der Atem sein.
Ein Geräusch.
Eine Empfindung.
Die Aufmerksamkeit
bleibt bei diesem Punkt.
Sobald sie abschweift,
kehrt sie wieder
zu diesem Punkt zurück.
So übt man,
die Aufmerksamkeit
bewusst zu lenken.“
Nara nickte.
„Also eher
den Fokus
bei einem Punkt halten.“
„Genau“,
sagte Lumi.
„Der zweite Weg
hält die Wahrnehmung weiter offen.
Hier gibt es
keinen festen Bezugspunkt.
Du nimmst wahr,
was gerade auftaucht:
Gedanken.
Gefühle.
Geräusche.
Spannung im Körper.
Aber nichts davon
muss weiter ausgebaut
oder festgehalten werden.
Es wird bemerkt
und kann
wieder vorbeigehen.“
Nara lächelte.
„Dann wäre der Unterschied:
Beim ersten Weg
hält man den Fokus
bei einem Punkt.
Und beim zweiten
nimmt man offen wahr,
ohne aus jedem Eindruck
einen weiteren Gedankenstrang
zu machen.“
„Genau“, sagte Lumi.
Nara dachte
einen Moment nach.
„Vielleicht ist das
gar nicht so fremd.
Kinder finden oft
leichter
in eine tiefe Versenkung.
Sie sind ganz
bei einem Spiel,
bei einem Geräusch,
bei einer Bewegung."
Lumi nickte.
„Ja.
Der Zugang dazu
ist oft noch da.
Aber er wird
im Erwachsenenleben
leicht überdeckt:
durch Tempo,
durch Reize,
durch ständige Erreichbarkeit,
durch das Gefühl,
immer schon
beim Nächsten
sein zu müssen.“
„Dann wäre Meditation“,
sagte Nara,
„auch eine Erinnerung daran,
wie es sich anfühlt,
wieder klarer wahrzunehmen,
was im Körper
und in der eigenen Reaktion
geschieht.“
Für zwischendurch
und für jeden Tag
„Ich glaube“,
sagte Nara,
„viele brauchen beides:
eine Form,
die man bewusst und regelmäßig
übt,
und eine,
die sich leichter
in den Alltag
einfügen lässt.“
„Das passt auch
zu Davidsons Gedanken“,
sagte Lumi.
„Als tägliche Praxis
empfiehlt er
einen bewusst
einfach gehaltenen Einstieg:
fünf Minuten,
möglichst regelmäßig,
so, dass diese Praxis
im Alltag
einen festen Platz
finden kann.
Und für belastete Momente
kann es schon helfen,
kurz stehenzubleiben,
bewusst auszuatmen
und für wenige Atemzüge
die Aufmerksamkeit
wieder auf den Körper
zu richten.
Das unterbricht
die fortlaufende Reizaufnahme
und kann die Aktivierung
spürbar senken.“
„Das gefällt mir“,
sagte Nara.
„Weil es keinen
zusätzlichen Druck aufbaut.
Eher eine Form,
die im Alltag
wieder Raum schafft.“
Wieder Ordnung finden.
Lumi sah erneut
auf ihr Handy.
Diesmal
drehte sie es um.
„Vielleicht ist das
der eigentliche Punkt“,
sagte sie.
„Meditation schafft
einen kurzen Raum,
in dem Aufmerksamkeit,
Atmung
und Anspannung
sich wieder ordnen können.
Sie unterbricht
die Kette von Reizen
und Reaktionen
und gibt dem Organismus
die Möglichkeit,
wieder in einen
ruhigeren Zustand
zu kommen.“
Nara nickte.
„Und manchmal
beginnt genau dort
Erholung.
Ein paar Minuten
reichen schon,
damit man wieder
besser wahrnimmt,
was im Körper
und in der eigenen Reaktion
gerade geschieht.“
Lumi lächelte.
„Davidson betont ja gerade,
wie viel schon
mit wenigen Minuten
täglicher Praxis
wirksam werden kann.“
„Ja“,
sagte Nara.
„Und dieser Gedanke
weist auch über
Denn auch dort
geht es darum,
den Einfluss
des Geistes
auf Gesundheit
und Heilung
ernst zu nehmen.
Horst Krohne
hat in einem Interview
gesagt:
„Die Zukunft
des bioenergetischen
und geistigen Heilens
besteht genau darin,
die heilenden
und lebensspendenden Kräfte
des Geistes
zu verstehen.“
Auch im 3. Johannesbrief
findet sich
eine ähnliche Verbindung
zwischen Seele
und Gesundheit:
„… dass es dir
in allen Stücken
gut gehe
und du gesund seist,
so wie es
deiner Seele
gut geht.“
____________________________
Brücke zwischen Heilarbeit, Medizin und Psychologie
Richard Davidson
verwendet für diese Form
der Meditation
den Begriff
Meta-Awareness.
Gemeint ist damit
die Fähigkeit,
eigene Gedanken, Gefühle,
Impulse
und Aufmerksamkeitsverschiebungen
früher zu bemerken,
ohne sofort
von ihnen
mitgerissen zu werden.
Nach seinen Angaben
zeigen randomisierte Studien
schon bei wenigen Minuten
täglicher Meditation
Verbesserungen
bei Stress, Angst,
depressiver Belastung
und beim Wohlbefinden.
Es gibt
wissenschaftliche Hinweise
darauf,
dass Meditation
nicht nur Stress
und Angst mindern,
sondern auch
entzündliche Prozesse
und Entzündungsmarker
beeinflussen kann.
Einzelne Studien
fanden dabei sogar
niedrigere IL-6-Werte
nach Meditationstraining.
Interleukin-6 ist
ein Botenstoff
des Immunsystems
und ein Marker,
der unter anderem
im Zusammenhang
mit Entzündungsreaktionen
beurteilt wird.
Solche Zusammenhänge
beschreibt auch
die Psychoneuroimmunologie,
also die Forschung
zu den Wechselwirkungen
zwischen Psyche,
Stress,
Nervensystem
und Immunsystem.
Im Umfeld von Richard Davidson
wurde Achtsamkeit
auch schon
bei Vorschulkindern
untersucht.
Im Kindness Curriculum
zeigten sich dabei
Verbesserungen
bei Selbstregulation,
prosozialem Verhalten
und Fähigkeiten
der Aufmerksamkeit
und Selbststeuerung.
Hinweis:
Der Podcast ist in englischer Sprache verfügbar.
Im YouTube-Video
lassen sich die Untertitel
über die Einstellungen
auch auf Deutsch einblenden.




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