Synchronizität – Bedeutung, Ordnung und Resonanz
- Dr. med. Martin Teschner
- 27. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan.

Synchronizität – Bedeutung, Ordnung und Resonanz
Beobachtungen zwischen Erleben und Erkenntnis
Synchronizität beschreibt
eine Form des Erlebens,
bei der psychische Prozesse
und äußere Ereignisse
in Beziehung zueinander treten
und als zusammengehörig
erlebt werden.
Solche Vorgänge entstehen
ohne bewusste Planung
oder gezielte Steuerung.
Sie können Orientierung geben,
und Entwicklungsprozesse begleiten.
Der Begriff verweist damit
auf einen Bereich
zwischen Wahrnehmung,
Bedeutungsbildung
und Ordnung.
Ein Wort für erlebte Zusammenhänge
Der Ausdruck "Synchronizität"
geht auf den Psychiater
Carl Gustav Jung zurück.
Ausgangspunkt waren Beobachtungen,
bei denen Ereignisse
als aufeinander bezogen
wahrgenommen wurden,
ohne sich durch bekannte
Ursache-Wirkungs-Modelle
hinreichend erklären zu lassen.
Im Zentrum stand die Frage,
wie Bedeutung entsteht
und welche Rolle
Zeit, Aufmerksamkeit
und Wahrnehmung
dabei spielen.
Damit öffnet sich der Blick
auf die Bedingungen,
unter denen solche Phänomene
auftreten.
Beispiel aus dem Alltag
Viele Menschen kennen folgende Situation.
Eine Frage begleitet sie über längere Zeit –
eine Entscheidung,
eine persönliche Angelegenheit
oder ein gesundheitliches Thema.
Zunächst wird nach einer Lösung gesucht.
Man denkt nach,
spricht mit anderen
oder informiert sich.
Irgendwann tritt diese Suche
in den Hintergrund.
Das Thema bleibt präsent,
ohne ständig im Mittelpunkt zu stehen.
Im weiteren Verlauf
begegnen dem Betroffenen
verschiedene Ereignisse:
ein Gespräch,
ein Text,
ein beiläufig gehörter Satz.
Jedes für sich
mit eigenem Anlass.
Erst im Rückblick
werden Bezüge erkennbar.
Die Eindrücke
lassen sich zueinander
in Beziehung setzen
und führen zu einer Einordnung.
So zeigt sich Synchronizität:
als zeitliches Zusammentreffen
mehrerer Eindrücke,
deren Zusammenhang
sich erst nachträglich erschließt.
Psychologische Perspektive
Synchronizität tritt bevorzugt
in Situationen auf,
in denen gewohnte Vorstellungen
an Tragfähigkeit verlieren.
Dazu zählen insbesondere:
größere Veränderungen,
Entscheidungssituationen,
Krisen,
Krankheit oder Verlust
In solchen Phasen
richtet sich die Aufmerksamkeit
verstärkt auf Sinn-
und Bedeutungszuordnungen.
In der therapeutischen Arbeit
zeigt sich dies oft darin,
dass Klienten Erlebtes
erst im Rückblick
miteinander in Beziehung setzen.
Psychologisch lässt sich beschreiben,
dass dieses Ordnen von Eindrücken
eine ausgleichende Wirkung
entfalten kann.
Für die Praxis ist dabei bedeutsam:
Bedeutung beeinflusst Erleben
und Verhalten,
auch ohne objektive Messung.
Medizinische Perspektive
In Medizin und Neurowissenschaft
steht weniger das einzelne Ereignis
im Vordergrund,
sondern seine Wirkung
auf Selbstregulation.
Das menschliche Gehirn
stellt in Situationen von Unsicherheit
vermehrt Zuordnungen her,
um Handlungsfähigkeit
aufrechtzuerhalten.
Das zeigt sich im Alltag darin,
dass Menschen unter Druck
nach Sinn, Halt
oder erklärenden Mustern suchen.
Dabei können messbare Reaktionen auftreten,
zum Beispiel eine Aktivierung
emotionaler Zentren des Gehirns,
Veränderungen von Motivation
und Anpassungen
im autonomen Nervensystem.
Synchronizitäts-Erlebnisse
können stabilisierend wirken,
wenn sie Einordnung
und Orientierung unterstützen.
Im Mittelpunkt steht dabei
weniger das Ereignis selbst,
sondern der Umgang damit.
Ordnung und Selbstorganisation
In Naturwissenschaft und Medizin
ist anerkannt,
dass lebendige Systeme
ihre Ordnung fortlaufend
aus sich selbst heraus entwickeln.
Diese Prozesse entstehen
durch das Zusammenspiel
mehrerer Faktoren
und zeigen sich in Anpassung,
Regulation
und Erneuerung.
Auch beim Menschen
gehören solche Vorgänge
zur normalen Dynamik des Lebens.
Vor diesem Hintergrund
beschreibt der Begriff der Synchronizität
eine Weise,
in der sich solche Ordnungsprozesse
im Erleben zeigen.
Physikalische Perspektive
Die Quantenphysik beschreibt Vorgänge,
die sich nicht allein
aus linearen Ursache-Wirkungs-Beziehungen
ableiten lassen.
Experimentelle Befunde zeigen,
dass Prozesse
in Beziehung stehen können,
auch wenn kein direkter
Informationsaustausch
nachweisbar ist.
Damit wird deutlich,
dass fehlende Messbarkeit
Bedeutung nicht ausschließt.
Für das Verständnis von Synchronizität
ist diese Perspektive relevant.
Sie liefert keine Erklärung
für subjektives Erleben,
macht jedoch verständlich,
dass erlebte Verbundenheit
mit naturwissenschaftlichem Denken
vereinbar ist.
Religiöse und spirituelle Texte
Auch in religiösen und spirituellen Traditionen
finden sich vergleichbare Muster,
geprägt
von Zeit
und Sprache.
Gemeinsam ist ihnen,
dass einzelne Ereignisse
zunächst für sich stehen
und ihre Bedeutung
erst rückblickend
erkennbar wird.
Die Josephsgeschichte (Genesis 37–50)
zeigt,
wie sich der Sinn eines Lebenswegs
aus der Verbindung
seiner Stationen erschließt.
Auch apokryphe Erzählungen
wie das Buch Tobit
führen zunächst getrennte Ereignisse
im Verlauf
zu einem verstehbaren Ganzen zusammen.
Das Evangelium nach Thomas (Logion 3)
beschreibt Erkenntnis
als einen Moment
veränderter Wahrnehmung,
in dem eine Situation
neu verstanden wird.
Diese Darstellungen zeigen,
dass vergleichbare Muster
zum menschlichen Erleben gehören
und sich dort zeigen,
wo Menschen versuchen,
Erlebtes in einen sinnhaften Zusammenhang zu bringen.
Bedeutung für die energetisch-geistige Arbeit
Der beschriebene Zusammenhang
kann energetisch-geistigen Heilern helfen,
Aussagen und Wahrnehmungen von Klienten
im zeitlichen Verlauf
einzuordnen.
Synchronizität zeigt sich dabei
als über mehrere Situationen hinweg
verbundenes Geschehen.
Für die praktische Arbeit
bedeutet das,
Erlebtes im Verlauf wahrzunehmen
und seine Bedeutung
offen zu halten.
Regulation wird dort möglich,
wo Wahrnehmungen
miteinander in Beziehung treten
und sich allmählich
zu einem stimmigen Bild fügen.
Das Nervensystem kann sich dabei
von erhöhter Anspannung
zu mehr Regulation und Sicherheit bewegen.
Entscheidend ist dabei
der Umgang des Klienten
mit dem, was er wahrnimmt
und wie er es versteht.
Der Heiler schafft Bedingungen,
unter denen sich das Erlebte
zu einem Zusammenhang fügt
und Vertrauen
in die eigenen regulierenden Fähigkeiten
wachsen kann.
Synchronizität als Ordnungsphänomen
Synchronizität macht erfahrbar,
dass Erleben
nicht isoliert entsteht,
sondern in größere Zusammenhänge
eingebunden ist.
Sie zeigt,
wie Ereignisse
im Zusammenspiel
Bedeutung gewinnen
und Orientierung ermöglichen.
Der Physiker David Bohm
beschrieb Wirklichkeit
als ein Gefüge,
das sich nicht vollständig
messen,
wohl aber
wahrnehmen lässt.
Für energetisch-geistige Heiler bedeutet das:
Wahrnehmbare Muster,
die sich zeigen,
können als Ausdruck
fortlaufender Selbstregulation
verstanden werden.
Wo sich Bedeutung klärt,
verändert sich der Blick
auf das Geschehen –
und damit oft
auch der weitere Weg.




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